Die traditionelle chinesische Medizin
In
den Jahrtausenden des Kampfes gegen Krankheiten hat das
chinesische Volk eine reiche Schatzkammer der traditionellen
Medizin und Pharmakologie geschaffen. In über 2.000 Jahren
hat sich die traditionelle chinesische Medizin und Pharmakologie
zu einer unabhängigen Schule mit ihren eigenen Heilverfahren
entwickelt und wurde immer wieder verbessert und bereichert,
so daß sie bis heute weit und breit angewendet wird.
Die chinesische Medizin ist in Europa vor allem durch
die Akupunktur bekannt geworden, eine Therapie, die Krankheiten
mit Nadelstichen an bestimmten Punkten des Körpers heilt.
Heute sind 780 solcher Nadelpunkte am menschlichen Körper
bekannt. Diese Punkte sind durch 14 Meridiane(Körperlinien)
miteinander verbunden. Jeder Nadelpunkt ist genau definiert,
sowohl in seiner Lage als auch in seiner Wirkung. Die
Nadeln werden verschieden tief eingestochen und verbleiben
dann einige Minuten bis zu einer halben Stunde im Körper.
Eine besondere Stimulation kann durch das Drehen der Nadel
oder durch elektrische Impulse geschehen.
Die
Akupunktur ist eine Erfahrungsmedizin, obwohl sie in China
vermutlich schon fast 5.000 Jahre existiert. Grundlage
der chinesischen Medizin ist ein ganzheitliches Denken,
das auf den alten Prinzipien der chinesischen Philosophie
beruht. Die Polarität von Yin und Yang, das kosmische
Prinzip der chinesischen Philosophie, dessen Wirken die
Harmonie schafft, wurde nun auf die Medizin übertragen.
Demnach wurden alle Organe und Körperteile des Menschen
in Yin und Yang eingeteilt. Die Krankheit des Menschen
wird als eine Störung des Gleichgewichts dieser beiden
Pole begriffen, die Therapie ziehlt folglich auf eine
Wiederherrstellung dieser Harmonie.
Aufgrund einer Untersuchung, die in
der traditionellen Medizin aus Betrachten, Hören und Riechen,
Fragen und Pulsfühlen besteht, gelangt der Arzt zu der
Diagnose, welches Organ in seiner Funktion gestört ist.
Die Therapie muß dann an den für die Stimulation dieses
Organs festgelegten Nadelpunkten ansetzen. Duch die Art
des Nadelstichs erreicht der Arzt entweder eine Beruhigung
oder eine Anregung des betreffenden Organs.
Meist müssen solche Akupunkturbehandlungen mehrmals über
einen längeren Zeitraum vorgenommen werden, um eine befriedigende
Wirkung zu erzielen. Die Akupunktur ist schmerzfrei, an
den Einstichstellen spürt man lediglich eine leichte Wärme.
Sehr umstritten, auch in China, ist die Akupunktur-Anästhesie.
In der Kulterrevolution erlebte die Akupunktur als traditionelle
chinesische Medizin einen Aufschwung, während die westliche
Medizin abgelehnt wurde. Aus dieser Zeit stammen auch
die Bilder von aufsehenerregenden Operationen, bei denen
die Patienten lediglich mit Akupunktur anästhesiert
worden waren und bei vollem Bewußtsein die Operation
miterlebten. Eine Akupunktur-Anästhesie erscheint möglich,
es gibt jedoch keine gesicherten Erkenntnisse, wie sie
auf einzelne Patienten wirkt.
Eine
weit größere Bedeutung kommt der Heilkräutermedizin
zu, eine ebenfalls empirische Medizin, die erst sehr viel
später von den Yin- und Yang-Denkern erfaßt wurde.
In der Vergangenheit waren Heilkräuter für die arme
Landbevölkerung meist die einzige verfügbare Medizin.
Heilkräutermedizin spielt auch heute noch eine große
Rolle, nicht zuletzt weil sie viel billiger ist als westliche
Medizin.
Die Moxibustion ist eine Form der Akupunktur mit Heilkräutern.
Statt durch Nadelstiche, werden die Körperpunkte dabei
durch Wärme stimuliert: über den angegebenen Punkten
werden kegelförmig gepreßte Heilkräuter angebrannt.